TÜLÜ -
Hochflorteppiche aus Zentral-Anatolien
Seit Urzeiten schliefen die Menschen auf zusammengenähten Fellen
bis es ihnen gelang Wolle in Gewebe einzuknüpfen und einen größeren,
gleichmäßigen Schafteppich herzustellen. Dieser Ursprung ist
bei den Tülüs aus der Region Karapinar, östlich von Konya,
deutlich zu erkennen.
Der Name "TÜLÜ" wird vom türkischen Wort "Tüylü"
abgeleitet, was ungefähr "gefedert" bedeutet - Aussehen und Gebrauch
beschreibend.
Oft wirken sie wie ein übergroßes Schaffell, lebendig durch
die natürlichen Schattierungen der wunderbaren weißen, beigen
oder braunen Wolle. Seltener wird gefärbte Wolle verwendet und die
Symbole sind im Gegensatz zu normalen Teppichen viel spärlicher.
Tülüs wurden nur für den persönlichen Gebrauch
hergestellt. Sie waren somit keinerlei Zwängen und Moden des Marktes
unterworfen. Daher erhielt sich durch die Jahrhunderte bis in die Gegenwart
in den Tülüs archaische, uralte Symbolik, deren Bedeutung weitgehend
unbekannt, deren Power aber auch für den "Abendländer" deutlich
zu spüren ist.
Durch den hohen Flor mit der samtenen Schafwolle ist der Teppich ideal
zum Schlafen geeignet. Manchmal wurde auch Mohair-Ziegenhaar oder ganz
selten Kamelhaar mitverwendet. Nartürlich waren diese Gebrauchsteppiche
im Alltag vielfältigst auch anderweitig verwendbar: Als Teppich für
den Zelteingang, Pferdedecke, übers Sofa oder als Wandbehang zum Schutz
gegen Kälte, Hitze oder Feuchtigkeit. Kleinere Tülüs dienten
als Kissen, Schlafunterlage für Kinder oder Gebetsteppich.
In der Ausstellung präsentieren mehr als 35 Tülüs die
zeitlose Ästhetik dieser erstaunlich modernen Teppiche. Das älteste
Stück dieser Ausstellung ist ein rot-blauer "Schachbrett-Tülü",
entstanden um 1860. Die meisten anderen Exponate sind ca. 50 Jahre und
älter. Sie zeigen, daß sich die "Tülükultur" bis weit
ins 20. Jahrhundert hinein erhalten hat.